„Austarieren nicht verzehrbarer Wursthüllen und Wurstclips bei für den Endverbraucher bestimmten Wurstfertigpackungen“ – BVerwG, Urteil vom, 8 C 4.24 RA Dr. Gregor hat das Land NRW in dem obergerichtlichen und höchstrichterlichen Verfahren vertreten und das Revisionsurteil erstritten. (6.5.2025)
Die Leitsätze des Urteils lauten:
1. § 16 Abs. 1 FPackV ordnet zur Füllmengenkontrolle bei denjenigen Fertigpackungen, die zu den vorverpackten Lebensmitteln gehören, eine entsprechende Anwendung des § 9 FPackV an, die der unmittelbaren Geltung der Lebensmittelinformationsverordnung für diese Art der Fertigpackungen Rechnung trägt.
2. Bei der entsprechenden Anwendung des § 9 Abs. 1 Nr. 1 FPackV ist als Füllmenge ausschließlich die Nettofüllmenge des Lebensmittels im Sinne des Art. 9 Abs. 1 Buchst. e LMIV zu berücksichtigen und als Nennfüllmenge die auf der Vorverpackung angegebene entsprechende Menge zu Grunde zu legen.
3. Nicht verzehrbare Umhüllungen gehören nicht zur Nettofüllmenge des Lebensmittels und sind bei der Füllmengenbestimmung auszutarieren. Dies gilt auch für nicht verzehrbare Wursthüllen und Wurstclips, die zu den Umhüllungen im Sinne des Art. 2 Abs. 1 Buchst. j VO (EG) Nr. 852/2004 (HygieneVO) zählen.
4. Die in § 16 Abs. 1 FPackV angeordnete entsprechende Anwendung des § 9 Abs. 1 Nr. 1 FPackV auf vorverpackte Lebensmittel ist von der gesetzlichen Ermächtigung in § 44 Abs. 1 Nr. 2 MessEG gedeckt und mit Verfassungs- und Unionsrecht vereinbar.
Die Entscheidung ist zur Veröffentlichung in den Entscheidungen des Bundesverwaltungsgerichts (BVerwGE) vorgesehen. Sie ist auch in andere Sprachen der europ. Mitgliedstaaten zu übersetzen.
Vorinstanzen
I. VG Münster vom 28. März 2023, Az: 9 K 2549/19
II. OVG Münster vom 24. Mai 2024, Az: 4 A 779/23
Sachgebiet beim BVerwG war Wirtschaftsrecht einschließlich des Spielbankenrechts und des Wett- und Lotterierechts, des Ladenschlussrechts und des Arbeitszeitrechts mit der Sachgebietserweiterung des Mess- und Eichrechts
Die vom BVerwG im wesentlichen genutzten Rechtsquellen waren:
- AEUV Art. 34, Art. 267 Abs. 3
- GRC Art. 15, Art. 16, Art. 20, Art. 51 Abs. 1, Art. 52 Abs. 1
- VO (EG) Nr. 178/2002 (BasisVO) Art. 2 Satz 1, Art. 3 Nr. 18
- VO (EG) Nr. 852/2004 (HygieneVO) Art. 2 Abs. 1 Buchst. j und k
- VO (EG) Nr. 1169 (LMIV) Art. 1 Abs. 4, Art. 2 Abs. 1 Buchst. a und Abs. 2 Buchst. e, Art. 6, Art. 7 Abs. 1 Buchst. a, Abs. 2 und 4, Art. 8 Abs. 1 bis 3, Art. 9 Abs. 1 Buchst. e und l, Art. 23 Abs. 1 und 3, Anhang IX Nr. 2 und 4, Art. 42, Erwägungsgründe 4, 6, 9, 11, 13, 17, 37 und 52
- RL 76/211/EWG (FPackRL) Art. 2 Abs. 1 und 2, Art. 4 Abs. 1 und 3, Anhang I Nr. 1.1 und Nr. 2.1
- RL 2000/13/EG (Zweite Etikettierungsrichtlinie) Art. 3 Abs. 1 Nr. 4
- RL 2007/45/ EG Art. 3 und Anhang Nr. 1
- GG Art. 3 Abs. 1, Art. 12 Abs. 1
- MessEG § 42 Abs. 1, Abs. 3 Nr. 2, § 43 Abs. 1, §§ 44, 50 Abs.1 Alt. 2 und Abs. 2 Satz 1
- FPackV § 1 Abs. 1 und 2, § 2 Satz 1 Nr. 8, § 4 Abs. 2 Nr. 1, § 9 Abs. 1 Nr. 1, §§ 15, 16 Abs. 1
- Richtlinie zur Füllmengenprüfung von Fertigpackungen und Prüfung von Maßbehältnissen durch die zuständigen Behörden (RFP) Nr. 7.1.3.3
- Bekanntmachung des BMWE BAnz AT vom 3. Dezember 2014, B 1.